Google präsentiert Social-Media-Projekt Plus
Google greift Facebooks Vorherrschaft unter den sozialen Netzwerken mit der Neuentwicklung Google+ an: Im Zentrum steht dabei die Kommunikationsdrehscheibe "Circles", mit deren Hilfe die Nutzer ihre Freunde Gruppen einteilen und auf diese Weise unterschiedliche Inhalte mit ihnen austauschen können.
Dass Google+ eine direkte Attacke gegen Facebook ist, zeigt schon die Wortwahl: "Man steht zu unterschiedlichen Leuten in unterschiedlichen Beziehungen. Im richtigen Leben teilen wir das eine mit Freunden von der Uni, andere Dinge mit den Eltern und fast nichts mit dem Chef. Das Problem ist, dass heute jeder im Web den Stempel 'Freund' aufgedrückt bekommt, und das Teilen von Inhalten unter diesem Freundschaftsbrei leidet", heißt es im Blogeintrag.
Das neue Produkt ist ein soziales Netzwerk: Nutzer können Kontakte aus dem Adressbuch importieren und diese in "Freundeskreise" einteilen, die sie selbst definieren. Das können Kollegen sein, Studienfreunde oder Menschen mit gemeinsamen Hobbys. Der Fokus liegt auf dem gezielten Austausch von Links, Neuigkeiten und Videos mit zuvor festegelegten Gruppen von Freunden - und nicht mit der Gesamtmasse der Kontakte, wie es auf Facebook voreingestellt ist.
Während bei "Circles" Menschen im Mittelpunkt stehen, sind es bei "Sparks" Themen. Nutzer können angeben, wofür sie sich interessieren, Google liefert einen Feed an Inhalten aus dem Web dazu, darunter auch Bilder und Videos in 40 verschiedenen Sprachen.
Videochats mit Freundesgruppen sind ebenfalls ein Feature von Google+. Ein mit einem Kontakt gestarteter "Hangout" wird als Benachrichtigung an die weiteren Gruppenmitglieder gesandt, die zu der Unterhaltung hinzustoßen können. Bis zu zehn User können gleichzeitig an diesem Videochat teilnehmen.
Auch der Tatsache, dass die soziale Vernetzung zunehmend über mobile Geräte stattfindet, trägt Google Rechnung: Mit +Mobile können Nutzer angeben, wo sie sich gerade befinden, und Fotos und Videos hochladen, um sie für sich selbst zu speichern oder anschließend mit anderen zu teilen. "Huddle" ist ein Gruppenchat, den Google für die Planung von Verabredungen erfunden hat.
Ende März 2011 hatte Google die Funktion +1 vorgestellt, über die Nutzer Webseiten Empfehlungen abgeben können. Der Konzerne versucht damit, die Suchergebnisse persönlicher zu gestalten - angemeldete Nutzer können sehen, ob einer ihrer Kontakte über die +1-Schaltfläche Empfehlungen abgegeben hat. Seit Anfang Juni 2011 bietet der Internetkonzern Webseitenbetreibern den entsprechenden +1-Button zum Einbinden an.
Neue Profile für Unternehmen, Marken und Produkte
Wie private User können auch Unternehmensprofile verschiedene Dinge posten, zum Beispiel Artikel, Kommentare, Fotos und Videos.
Auch Künstler, Sportclubs und Vereine, ja sogar für sprechende Papageien oder Pflanzen können Seiten angelegt werden. Damit ist der Klarnamenzwang wohl endgültig vom Tisch.
Die Einführung der neuen Google+-Seiten schlägt sich auch in der Suchfunktion nieder: Google führt mit "Direct Connect" eine Verbindungsmöglichkeit direkt aus der Suche heraus ein. Wer beispielsweise nach "+Pepsi" sucht, soll direkt auf die Google+-Seite gelangen.
Google bleibt auch bei den Unternehmensseiten seinem Prinzip der Nutzerkreise treu und überlässt den Nutzern den Grad der Verknüpfung mit den jeweiligen Sites. Allerdings gibt es in den Einstellungen der Nutzerkonten nun eine Option, die Google+-Seiten, nach denen gezielt gesucht wurde, automatisch zu den eigenen Kreisen hinzufügt.
Googles Panda-Update und die Folgen
Google hat das lang erwartete Panda-Update auch in Deutschland eingeführt - mit dem Ziel, durch eine Änderung im Algorithmus die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern. Dabei traf es eine bestimmte Gruppe von Webseiten besonders hart.
Wie in den USA sind auch in Deutschland neben Content-Farmen, Meta-Job-Börsen und Personensuchmaschinen vor allem Preisvergleichsdienste von den Abstufungen im Ranking besonders stark betroffen. Eine aktuelle Auswertung des Analysesoftware-Entwicklers Searchmetrics zeigt, dass von den 25 Webseiten, die in Deutschland nach dem Panda-Update am stärksten an Sichtbarkeit bei Google verloren, allein fünf Preisportale waren betroffen.
Wie in den USA zählt die Microsoft-Tochter Ciao.com auch in Deutschland zu den größten Verlierern durch das Panda-Update. Der Preisvergleichsdienst verlor rund 60 Prozent seiner Sichtbarkeit - und kam von allen deutschen Webseiten zwar am schlechtesten, im Ländervergleich zu den USA aber noch gut davon. Denn dort kostete das Panda-Update das Preisportal rund 80 Prozent der Sichtbarkeit. Platz zwei im Verlierer-Ranking ist die User-generated-content-Plattform Gutefrage.net. Die Holtzbrinck-Tochter büßte seit Panda rund 56 Prozent seiner Sichtbarkeit ein. Auf Rang drei im Verlierer-Ranking steht - ebenfalls wenig überraschend - der Preisvergleichsdienst Dooyoo.de. Dieser wurde von Google bereits in Großbritannien mit einer 90-prozentigen Reduktion der Sichbarkeit im Index bestraft. In Deutschland liegt der Wert bei rund 65 Prozent.
Vom Panda-Update profitieren in Deutschland vor allem Onlineredaktionen, die qualitativ hochwertigen Content liefern. Golem verzeichnete seit der Einführung vergangenen Freitag ein Plus von 21,27 Prozent. Facebook.com profitiert von einem Sichtbarkeitszuwachs von 4,73 Prozent, Focus.de kletterte um 6,99 Prozent in der Sichbarkeit nach oben und Chip.de um 2,97 Prozent. "Viele dieser Gewinner wurden aber nicht von Google direkt belohnt, sondern profitieren eher von der Tatsache, dass Seiten, die sonst immer über ihnen angezeigt wurden, von den Top-Positionen entfernt wurden", sagt Searchmetrics-Chef Marcus Tober.
Das Unternehmen misst die Sichtbarkeit von Unternehmen im Google-Index anhand eines eigenen Organic Performance Index (OPI). Dazu beobachtet Searchmetrics kontinuierlich ein Portfolio an Keywords auf Google.de und analysiert die Suchergebnisseiten für diese Keywords. Der Index setzt sich zusammen aus dem Suchvolumen, wie oft und auf welcher Position eine Domain für diesen Suchbegriff in den Google-Suchergebnisseiten erscheint, sowie einem statistischen Wert für diese Traffic-Vermittlung.
Die Änderungen durch Panda betreffen Google zufolge in den meisten Sprachen nur sechs bis neun Prozent der Suchanfragen.
Content-Farmen fliegen aus dem Index
Relevante Suchergebnisse zu liefern steht für Google an erster Stelle auf der Prioritätenliste. Deshalb veränderte die Suchmaschine den Algorithmus und will damit die Rankings für qualitätsarme Seiten drücken.
Während Google nicht konkret das Ziel der Algorithmusumstellung benennt, ist Brancheninsidern klar, dass sogenannte Content-Farmen im Visier stehen. Laut Google soll der neue Suchalgorithmus sicherstellen, dass qualitativ hochwertige Seiten in den Suchergebnissen auf höheren Plätzen ausgegeben werden als solche, die "Inhalte von anderen Webseiten kopieren oder einfach nicht nützlich sind". ´
Zuletzt hatte Google die Suche sozialer gemacht: Die Suchergebnisse zeigen nun auch relevante Informationen von Freunden angemeldeter Nutzer, die ihre Social-Media-Accounts mit ihrem Google-Konto verknüpft haben. So erscheinen innerhalb der Suchergebnisse auch Beiträge von Kontakten aus Facebook und Twitter.
Quelle: internetworld.de
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